Young female technician looking into microscope in medical laboratory

Fachartikel zum Vergleich von Mundspülungen und ihrem Einfluss auf Schleimhautantiseptik

Lesedauer: 5 min

Autor: Dr. Marie-Christine Hoffmann, CP GABA, Scientific Affairs

 

Im Zuge der Covid-19-Pandemie ist neben vielen anderen Themen in der Zahnmedizin auch die Schleimhautantiseptik vor der zahnärztlichen Behandlung (das sogenannte „Prerinse“) in den Fokus gerückt. Es gibt eine große Unsicherheit in Bezug darauf, welche Mundspülung medizinisch die Richtige ist, u.a. wird vorgeschlagen, dass Chlorhexidin durch Wasserstoffperoxid (H2O2) Mundspülung ersetzt werden sollte. Eine weitere Empfehlung lautet, dass sogar Beides zur Spülung zu verwenden ist. Um den Patient*innen eine optimale Therapie zu gewähren, empfehlen Experten für Parodontologie die vorhandene Datenlage differenziert zu betrachten.

Im Zusammenhang mit neu publizierten Empfehlungen verschiedener Institutionen in Fachmedien wird der bisherige Goldstandard zur Spülung vor einer zahnärztlichen Behandlung, 0,2-prozentiges Chlorhexidin (CHX), in Frage gestellt. Als Begründung für die Empfehlung mit Wasserstoffperoxid, bzw. aufeinanderfolgend mit CHX und H2O2 zu spülen, wird angeführt, dass sich CHX als nicht so wirksam gegen Corona-Viren zeige. In den meisten Veröffentlichungen wird – wenn überhaupt – ein Artikel im „Journal of Hospital Infection“ als Quelle genannt.[1]

Chlorhexidin versus H2O2 – genau hinsehen lohnt sich

Um in der Praxis sowohl den Patient*innen als auch dem Team eine optimale Keimzahlreduktion zu ermöglichen, sollten gemäß Experten dazu die nachfolgenden Aspekte berücksichtigt werden. Im zitierten Artikel[1] wird die desinfizierende Wirkung von Oberflächen-Desinfektionsmitteln (inanimate surfaces) untersucht, nicht die intraorale Schleimhautantiseptik, diese wird im genannten Artikel gar nicht berücksichtigt. Hintergrund des Artikels ist also die Desinfektion des zahnärztlichen Equipments, bei dem sich H2O2 als effektiver gegenüber Corona-Viren als Chlorhexidin gezeigt hat. Produkte, die zur Desinfektion von Equipment geeignet sind, können aber nicht automatisch auch als Mundspülung verwendet werden. Weiterhin sollte berücksichtigt werden, dass in der Untersuchung des zitierten Artikels ein 0,02-prozentiges CHX verwendet wird. Nur diese Dosierung wird für Flächen als weniger effektiv als H2O2 bewertet.[1] Die in der Praxis bewährte Mundspülung CHX 0,2% (wie z.B. in meridol® med CHX 0,2%) zur Schleimhautantiseptik basiert auf einer 0,2-prozentigen, also 10-fach höheren, CHX-Dosierung. 

Teilweise wird in der Diskussion um die (geringere) Wirkung von CHX gegen Corona-Viren auch eine Untersuchung genannt, in dem als Quelle die „Guideline der Volksrepublik China“ aufgeführt wird.[2] Man zitiert hier „Chlorhexidin tötet 2019-CoV möglicherweise nicht wirksam ab" und empfiehlt stattdessen „1% H2O2 oder 0,2% Povidon-Jod“. Allerdings ist diese Quelle nicht abrufbar.

CHX – der Goldstandard weiterhin als Empfehlung

Was die Anwendung von H2O2 als Mundspülung betrifft, wurde dagegen in früheren Untersuchungen die krebserregende Wirkung von Wasserstoffperoxid in Mundspülungen festgestellt.[3] In der S3-Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)[4] kommt beispielsweise H2O2 gar nicht vor. Auch ein aktueller Artikel mit Wissen und Empfehlungen rund um Covid-19[5] empfiehlt im Kapitel zur intraoralen Untersuchung (Oral Examination) grundsätzlich das präoperative, antimikrobielle Spülen der Mundhöhle und verweist auf frühere Publikationen, wie zum Beispiel von Marui et al. [6] Dort werden dann explizit Chlorhexidin (CHX), Cetylpyridnium chlorid (CPC) und ätherische Öle (EO) genannt, H2O2 findet auch dort keine Erwähnung. 

In diesem Zusammenhang konnte auch für bestimmte Mundspülungen mit Alkohol keine bessere antibakterielle Wirkung als für alkoholfreie CHX-Produkte gezeigt werden.[7]

Zusammenfassend stellen die Experten fest, dass sich keine der bisher bekannten neuen Untersuchungen im Zusammenhang mit der Wirkung von Chlorhexidin auf SARS-CoV-2-Viren (Corona) auf die Anwendung in der Mundschleimhaut beziehen. Gleichzeitig wird in Untersuchungen, die sich mit der Schleimhautantiseptik befassen, weder H2O2 noch Jodid empfohlen. 

Wenn bewährte Wirkstoffe für das präoperative Spülen durch andere, möglicherweise stärker antivirale, Wirkstoffe ersetzt werden sollen, dann müsste zwingend auch auf die Verträglichkeit und Nebenwirkungen in der Mundhöhle geachtet werden. Was sich experimentell oder auf „unbelebten Oberflächen“ als wirksam erweist, kann nicht ohne weiteres auf Mundschleimhautoberflächen benutzt werden. 

Bis die Studienlage eine andere Aussage zulässt, ist die Empfehlung der Experten daher die weitere Verwendung von 0,2-prozentigem Chlorhexidin, wie beispielsweise in meridol® med CHX 0,2%, als Mundspülung vor der zahnärztlichen Behandlung.

Quellen: 

[1]Kampf et al., „Persistence of coronaviruses on inanimate surfaces and their inactivation with biocidal agents”, J of Hosp Infect 104, 2020

[2]Peng et al., Transmission routes of 2019-nCoV and controls in dental practice”, Int J Of Oral Sci, 2020 

[3]Alberto Consolaro, “Mouthwashes with hydrogen peroxide are carcinogenic…”, Dental Press J. Orthod. vol.18 no.6 Maringá, Nov./Dec. 2013

[4]Auschill, Sälzer, Arweiler et al., S3-Leitlinie „Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis“, AWMF-Registernummer: 083-016, November 2018

[5]Meng et al., “Coronavirus Disease 2019 (COVID-19): Emerging and Future Challenges for Dental and Oral Medicine”,  Journal Dental Research 1-7, 2020

[6]Marui e al., “Efficacy of preprocedural mouthrinses in the reduction of microorganisms in aerosol”, J of the American Dental Association (1939), November 2019

[7]Lorenz et al., “Effect of two new chlorhexidine mouthrinses on the development of dental plaque, gingivitis, and discolouration.”, J Clin Periodontol, 2006

 

meridol® med CHX 0,2 % Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle. Wirkstoff Chlorhexidindigluconat-Lösung. Zusammensetzung: 100 ml Lösung enthalten 1,0617 g Chlorhexidindigluconat-Lösung, entsprechend 200 mg Chlorhexidinbis(D-gluconat), Sorbitol-Lösung 70 % (nicht kristallisierend), Glycerol, Propylenglycol, Macrogolglycerolhydroxystearat, Cetylpyridiniumchlorid, Citronensäure-Monohydrat, Pfefferminzöl, Patentblau V (E 131), gereinigtes Wasser. Anwendungsgebiete: Zur zeitweiligen Keimzahlreduktion in der Mundhöhle, als temporäre adjuvante Therapie zur mechanischen Reinigung bei bakteriell bedingten Entzündungen der Gingiva und der Mundschleimhaut sowie nach parodontalchirurgischen Eingriffen, bei eingeschränkter Mundhygienefähigkeit. Gegenanzeigen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels, bei schlecht durchblutetem Gewebe, am Trommelfell, am Auge und in der Augenumgebung. Nebenwirkungen: Reversible Beeinträchtigung des Geschmacksempfindens, reversibles Taubheitsgefühl der Zunge, reversible Verfärbungen von Zahnhartgeweben, Restaurationen (Zahnfüllungen) und Zungenpapillen (Haarzunge). Selten treten Überempfindlichkeitsreaktionen auf. In Einzelfällen wurden auch schwerwiegende allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock nach lokaler Anwendung von Chlorhexidin beschrieben. In Einzelfällen traten reversible desquamative Veränderungen der Mukosa und eine reversible Parotisschwellung auf. CP GABA GmbH, 20097 Hamburg. Stand: 02/2018